Literateens – noch einmal gewonnen!

Datum: 
Sonntag, 16. Oktober 2011

In diesem Jahr richtete die Online-Redaktion des Hessischen Rundfunks zum Jubiläum noch einmal einen besonderen literateens-Wettbewerb aus, der wieder von Frau Nicole Rodriguez betreut und ins Leben gerufen wurde.
Bei diesem Wettbewerb traten ausschließlich die Schulen an, deren Schüler schon einmal Preise gewonnen hatten. Schüler durften sich von Verlagen gesponserte Bücher, die sozusagen noch druckfrisch und zum Teil noch gar nicht wirklich erschienen sind, aussuchen und schrieben dazu Rezensionen, Buchkritiken, in denen sie den Inhalt des Buches beschrieben und ihre Meinung dazu sagten. Das Resultat war beeindruckend, Frau Rodriguez sagte auf der Preisverleihung am 16.10.11, jede Rezension habe sich im Rahmen von 1* und 1** bewegt. Alle Schüler durften die Bücher, die sie sich ausgesucht hatten, behalten, bekamen eine Freikarte für die Frankfurter Buchmesse und hatten obendrein noch eine Menge Spaß, sich einmal intensiver mit einem Buch auseinanderzusetzen. Letzten Endes steht es fest – alle haben gewonnen. Aber natürlich wurden auch dieses Jahr wieder aus den rund 100 eingegangenen Buchkritiken die jeweils drei besten der Altersgruppen 10-13 und 14-18 mit Preisen geehrt. Und es stellte sich heraus. Die Melibokusschule hatte schon wieder gewonnen – noch einmal! Oliver Walzer belegte in der Altersgruppe 10- 13 den zweiten Platz, aber auch der erste Platz der 14-18-Jährigen ging an Sophia Meyer und damit wieder an die Melibokusschule. Es gab also wieder Preisgeschenke und vor allem eine Unterstützung unserer schönen neuen Bibliothek, die so weitere Bücher anschaffen und das Leseangebot der ganzen Schule auf diese Weise noch ein wenig ausweiten kann. Das Resultat ist also ganz klar wieder ein Erfolgserlebnis und eine Menge Spaß und der ein oder andere wird Texte nun bestimmt auch mit einem etwas kritischeren Auge betrachten.

 

Gewonnen! - Aber mit was?
Zivildienstroman - Rezension von Sophia Meyer

Inhalt
Wenn man 18 Jahre alt ist, dann ist man volljährig, ob man aber dann schon so richtig erwachsen ist, das kommt ganz auf die Person an.  Im „Zivildienstroman“ von Christian Bartel geht es um einen jungen Mann, der nach seinem Abitur sein Leben vor sich hat und nicht so genau zu wissen scheint,was er nun tun soll. Für ihn ist es Zeit, wirklich erwachsen zu werden und um genau diesen Prozess geht es in dem Roman. Er beginnt auf der Abiturzeugnisverleihung des jungenMannes. Genauer formuliert beginnt er auf der Fahrt dorthin und zwar im Auto von „Tante Mathes“, ebenfalls einem jungen Mann, der jedoch die Schule abgebrochen hat. Die Schwierigkeit Wie meistert man eine Zeugnisverleihung, wenn man auf einem LSD-Trip ist und eigentlich schon seit zehn Minuten darauf wartet, dass die ersten Halluzinationeneinsetzen?  Nachdem dies mehr oder weniger gut überstanden ist, gibt es da ein anderes Problem. Der junge Mann istin Rieke verliebt. Rieke hat einen Freund, folglich kann der erzählende junge Mann diesen Steffen nichleiden. Steffen hat deshalb ein blau-grünlich schimmerndes Auge und eine ganze Menge Wut im Bauch. Und da Rieke nach Israel gehen will, um dort in einem Kibbuz zu leben, bewerben sich die beiden Kontrahenten auf den letzten Platz. Während der Vorstellungsrunde kommt es wie zu erwarten zwischen den beiden zu verbalen wie physischen Übergriffen. Natürlich wollten sie da nur den Konflikt zwischen Palästina und Israel verdeutlichen, ist ja wohl ganz offensichtlich. Den Platz bekommt aber keiner von beiden. Die übrigen Bewerber bedanken sich!Nachdem das mit dem Kibbuz nichts geworden ist, steht der Zivildienst an und so landet der junge Mann bei geistig und/oder körperlich Behinderten in einer WG und lernt die verschiedensten Menschen kennen. Da ist Günter, der Autist, Milva, die Liebestolle mit Down-Syndrom und Käpt’n Horsti, der große Künstler. So mancher Ausflug mag zur Herausforderung werden, allerdings kann man auch aus der Sache lernen. Mit der Zeit wird der junge Mann wirklich erwachsen, so erwachsen wie man ist, wenn man mit „Tante Mathes“ zusammengezogen ist, in die Wohnung einer alten Dame namens „Oma Wittrich“, die die beiden in einem Vertrag, den keiner so richtig gelesen hat, dazu verpflichtet, mit ihr zu Scrabblen und bei diesem Spiel kennt sie nichts. Außerdem müssen sie die Wohnung putzen und auf den Namen Helmut, den Namen des verstorbenen Sohns, hören. Aber so ist das eben, immerhin müssen sie ja keine Miete bezahlen. Und dann ist da noch Sarah. Sarah ist nach Rieke wirklich die erste Wahl und wird die Freundin der erzählenden Person. Ob das auf die Dauer gutgehen kann?


Meine Meinung
Hat man den „Zivildienstroman“ gelesen, so kommt man sehr leicht zu der Überzeugung, dass es gar nicht möglich ist, über ein so humorvoll- komisches Buch einen ernsthaften Text zu verfassen. Dennoch kann man es natürlich
versuchen...
Zum einen überzeugt der Roman durch feine sprachliche Ausführung, die im Kontrast zu Jugendsprache und eher saloppen Umschreibungen wie „Typ“ steht. Allein dadurch erhält das Buch einen ironischen Charakter und schafft so zum anderen einen idealen Rahmen für die lustige Handlung, deren Wirkung so
noch verstärkt wird. Christian Bartel begeistert durch die Beschreibung des „ganz normalen Wahnsinns“ und viele Szenen erinnern an verschiedene Erzählungen von Verwandten, wenn sie über „ihre Zeit als Zivildienstleistende“ berichten. So humorvoll jedoch die Erzählung sein mag, so wird doch eine ernsthafte Fragestellung thematisiert. Es wird die Frage nach dem Umgang mit körperlich oder geistig behinderten Menschen in unserer Gesellschaft gestellt. Man bekommt hier einen Einblick in eine Welt, die von vielen ausgeblendet oder sogar bewusst aus ihren Gedanken verbannt wird. Es geht um die Welt der Pflege von Behinderten, die doch des besonderen Schutzes und der besonderen Unterstützung unserer Gesellschaft bedürfen. Was dieses Buch aber einmalig macht, ist die Vorstellung der Behinderten mit ihren Eigenheiten und Vorlieben. Man scheint fast einen privaten Kontakt mit ihnen herzustellen und mir ist an dieser Stelle bewusst geworden, wie wichtig es ist, die Würde jedes Menschen zu achten und zu wahren und den
Einzelnen als das zu sehen, was er ist: Ein Individuum und etwas Besonderes, das einmalig und auf seine Art unersetzlich ist. Trotz der Tatsache, dass der Zivildienst nicht mehr existiert und die Aktualität des Buches deutlich unter dieser Tatsache leidet, lädt der Roman dazu ein, sich über ein „soziales Jahr“ Gedanken zu machen und kann so auf das „Heute“ übertragen werden: Man kann durch den Umgang mit Behinderten nicht nur etwas Gutes tun, sondern auch für sich viel lernen. Außerdem kann man sich als Jugendlicher die Frage stellen: Wie sieht eigentlich mein Leben nach dem Schulabschluss aus?
Dieses Buch macht einfach riesigen Spaß, ist viel zu schnell fertig gelesen und ist somit sehr empfehlenswert, wobei eine Warnung vor unkontrollierten Lachanfällen in der Öffentlichkeit auszusprechen ist.

Der Autor
Christian Bartel wurde 1975 in Bonn geboren, wo er bis heute lebt. Er interessiert sich für Komik und Verzweiflung und schreibt ernsthaft komische Geschichten. Er ist Mitglied der Lesebühnen „Der Kleingeist“ in Bonn und „Rock n Read“ in Köln, 2005 wurde er Vize-Meister der Poetry-Slam-Meisterschaft des deutschsprachigen Raums; außerdem schreibt er regelmäßig Satiren für die „Wahrheit“-Seite der „taz“ und ist Mitherausgeber der Anthologie „Götter, Gurus und Gestörte“ und des Magazins für komische Literatur „Exot“. Sein erster Erzählungsband heißt „Seit ich Tier bin“ und erschien im Herbst 2008. (Quelle: Verlag)

Über mich
Mein Name ist Sophia Meyer, ich bin 16 Jahre alt und besuche zurzeit die Melibokusschule Alsbach. Ich lese und schwimme gerne, außerdem spiele ich gerne Badminton und treffe mich mit Freunden. Seit ich zehn Jahre alt bin schreibe ich hin und wieder Gedichte und ich lasse mich leicht und gerne für eine gute Sache begeistern. Was ich nicht leiden kann, sind vor allem Streit, Vorurteile, Missverständnisse und unfreundliche Leute, wobei das alles ja meistens ziemlich eng miteinander zusammenhängt.

Sophia Meyer

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